Welche Unterlagen muss ein Unternehmer beim Finanzamt vorlegen?

Der Gesetzgeber hat drei verschiedene Arten der Gewinnermittlung vorgesehen, die bestimmte Unternehmen einzureichen haben. Dabei entscheiden Kriterien wie die Rechtsform, das Jahresergebnis oder der Umsatz in einem Geschäftsjahr darüber, welche Art der Gewinnermittlung der Einkommensteuererklärung beizulegen ist.

Allen dreien ist Gemeinsam, dass sie eine Gegenüberstellung von Ausgaben und Einnahmen während des Geschäftsjahres bzw. der Buchungsperiode darstellen. Schließlich ist für alle Steuerzahler gleich, dass sie Einkommensteuer auf ihre Einkünfte bezahlen müssen, und diese Einkünfte ergeben sich aus der Differenz zwischen den Einnahmen aus Verkäufen und Dienstleistungen und den diversen Ausgaben (z.B. für Waren, Strom, Werbung, Versicherungen usw.) während des Jahres ergeben. Im Grunde braucht der Fiskus nur eine Zahl: soviel Gewinn oder Verlust hat das Unternehmen gemacht. Bei mehreren Gesellschaftern muss noch ersichtlich sein, wie viel des Gewinns auf den Einzelnen entfällt.
Leider ist es aufgrund aller möglichen Sonderfälle und Regelungen nicht ganz so einfach. Deswegen gibt es für verschiedene Fälle auch ganz unterschiedliche Gewinnermittlungs-Arten, die das Finanzamt sich von Steuerpflichtigen vorlegen lässt.

Die formlose Gewinnermittlung (i.d.R. nur noch bis zum Geschäftsjahr 2017 erlaubt)

Bitte beachten Sie: Für alle Geschäftsjahre, die ab dem 1.1.2017 beginnen, ist die Abgabe der formlosen Gewinnermittlung nur noch in vom Finanzamt genehmigten Härtefällen zulässig. Auch Kleinunternehmer müssen ab dem Geschäftsjahr 2017 eine Anlage EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) abgeben. Dabei ist die Abgabe dieser Anlage EÜR zwingend online verpflichtend. Bitte lesen Sie dazu den nachfolgenden Abschnitt zur Anlage EÜR.

Diese einfachste Form der Aufstellung von Einkünften und Ausgaben ist im Grunde nur eine Gegenüberstellung aller Ausgaben und Einnahmen. Hierfür gibt es nicht allzu viele Vorgaben, deswegen nennt sich das ganze auch „formlos“.

Wenn Sie eine einfache Ein-Ausgaben-Rechnung auf einem Blatt Papier (oder in einem Heft) führen, reicht es völlig aus, dieses der Steuererklärung beizulegen.

Die formlose Gewinnermittlung ist für alle Unternehmer ausreichend, deren Betriebseinnahmen im abgelaufenen Geschäftsjahr unter 17.500 € liegt. Das ist die selbe Betragsgrenze, die auch für die so genannte Kleinunternehmer-Regelung beim Thema Umsatzsteuer gilt. Unternehmern, die diese Grenze nicht überschreiten, steht es jedoch auch frei, die Anlage EÜR zu nutzen, um ihre Gewinnermittlung einzureichen.

Kontolino! bietet Ihnen eine einfache formlose Gewinnermittlung unter dem Menüpunkt „Jahresabschluss“ an. Diese legen Sie Ihrer Einkommensteuererklärung bzw. der Anlage G oder Anlage S bei.

Für Geschäftsjahre ab 2017 gilt nur noch die nachfolgende Beschreibung zur Anlage EÜR.

Einnahmenüberschussrechnung (Anlage EÜR) nach § 60 Absatz 4 EStDV

Erfüllt Ihr Gewerbe nicht die Voraussetzungen für die E-Bilanz (siehe weiter unten), muss jeder Gesellschafter der Firma seiner Einkommensteuer-Erklärung die so genannte Anlage EÜR beifügen. Freiberufler können generell ohne Umsatz- / Gewinngrenzen immer eine EÜR abgeben. Zu Freiberuflern zählen zum Beispiel laut §18 des Einkommensteuergesetzes wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische, die selbstständig ausgeübt werden. Ebenfalls dazu zählen die selbstständigen Tätigkeiten der Ärzte, Zahnärzte & Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare & Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure & Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer & Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe.“

Kontolino! unterstützt die vollautomatische Zusammenstellung der Anlage EÜR und den Versand per Elster-Online direkt an das zuständige Finanzamt der (Mit-)Unternehmer. Da die Rohdaten für die EÜR in der Buchhaltung stecken, ist das wirklich nur eine Frage von ein paar Mausklicks.

Die E-Bilanz (ab 2013)

Noch größere Unternehmen oder Unternehmen mit einer bestimmten Rechtsform ist ab dem Geschäftsjahr 2013 die Abgabe der so genannten E-Bilanz auf elektronischem Wege vorgeschrieben.

Die Voraussetzungen für die Pflicht zur E-Bilanz sind die folgenden:

  • alle Unternehmer sowie Land- und Forstwirte, die ein selbständiges Handelsgewerbe betreiben
  • Unternehmen, die in Form einer OHG, KG firmieren
  • Kapitalgesellschaften (GmbH, AG)
  • Nicht-Kaufleute, wenn
    • ihr Gewinn aus Gewerbebetrieb 50.000 Euro im Wirtschaftsjahr – ab 2016 wurde die Grenze auf 60.000 Euro angehoben –  übersteigt oder
    • ihre Umsätze 500.000 Euro im Kalenderjahr – ab 2016 wurde die Grenze auf 600.000 Euro angehoben – übersteigen
  • Personengesellschaften oder Einzelunternehmer sowie Land- und Forstwirte, die sich freiwillig ins Handelsregister eintragen lassen 

Kontolino! bietet aktuell noch keine Unterstützung für die E-Bilanz an. Unsere Kunden nutzen zur Einreichung der E-Bilanz meist den Service des Bundesanzeiger Verlages, mit dem sowohl die Publizierung der Handelsbilanz, als auch die Einreichung der Steuerbilanz beim Finanzamt möglich ist.