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um 09:10:49

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Gründung

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Die Sache mit dem Feedback für Gründer

Jeder, der mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen, ist darauf angewiesen: Feedback. Schliesslich muss die eigene Geschäftsidee ankommen bei potentiellen Kunden, das Produkt muss Nutzen bringen und gekauft werden und der neue Service muss nützlich und vernünftig bepreist sein, um auch wirklich in Anspruch genommen zu werden. Und da hilft es nur bedingt, selbst zu 100% davon überzeugt zu sein, daß das Angebot perfekt ist. Es schadet nicht, mit Selbstbewusstsein und Vertrauen an das Abenteuer heranzugehen, aber entscheidend für den Erfolg ist das, was Kunden und potentielle Käufer vom Produkt halten.

Wie Maybritt Reumann in ihrer Kolumne auf dem StartupBrett schreibt, sind die ersten Ansprechpartner für Feedback sicher Freunde und Familie. Aber leider muss man sich bei Feedback auch immer fragen, ob es ehrlich oder freundlich ist. Schliesslich will man den hoch motivierten Gründer nicht ausbremsen, ihn nicht vor den Kopf stossen. Freunde und Familie können sehr wertvolle Impulsgeber sein, müssen aber ganz und gar nicht.

Aus meiner Erfahrung in der Gründung von Kontolino heraus kann ich Maybritt Reumanns Beobachtungen und Tipps nur bestätigen: Nicht alles Feedback, das kommt, ist wirklich wertvoll oder hilfreich. Eine gute Portion davon muss man ausfiltern und schlichtweg ignorieren. Die Kunst ist es, das wertvolle Feedback vom Höflichkeits-Gebrabbel zu trennen.

Gerade ganz am Anfang, wenn man selbst noch unsicher ist, ist es sehr gefährlich, auf all die – vermutlich wirklich gut gemeinten – Tipps und Ratschläge zu hören, die aus allen Ecken und Richtungen auf einen Einprasseln. Ich selbst erinnere mich an eine Vielzahl von Ideen, ganz breit mit Youtube-Videos, Instagram-Fotos und Pressemeldungen loszulegen. Erklärvideos sind ein Muß, Screencasts erklären Dein Produkt ganz wunderbar und überhaupt ist Video das Werbemedium der Zukunft. Vorträge musst Du halten, Deine Software muss unbedingt eine Paypal-Schnittstelle haben, und Material Design ist das einzige, was wirklich hip aussieht. Die Software als open source freizugeben wäre perfekt, denn dann fixen andere Leute ganz umsonst Deine Bugs. Das sind nur einige der Tipps, die ich so bekommen habe.

Zu all dem kommen noch die vielen Artikel in den einschlägigen Medien, in denen das Erfolgsrezept Deiner Mitbewerber beschrieben wird, und jeder weiß, wie wirksam und gleichzeitig billig Adwords sind.

Aufgepasst: alles wahr und richtig. Da sind kaum wirklich schlechte Ideen dabei, und natürlich ist es wichtig, sich diese Ideen alle anzuhören und darüber nachzudenken. Es lohnt sich, auch die vielleicht (oder gerade die) verrückteren Ideen aufzunehmen, aufzuschreiben und abzuwägen, ob da nicht etwas fürs eigene Vorgehen drin steckt.

Aber, und das ist nun wirklich die wichtige Essenz aus diesem Artikel: nicht alles funktioniert für jeden und nicht alles kann man auch wirklich umsetzen. Oft fehlt etwa die Zeit, Screencasts aufzuzeichnen, diese oder jene Schnittstelle zu programmieren oder von einem Networking-Event zum nächsten zu tingeln. Auch das Budget für die über-coole Webseite oder ein knackiges Erklärvideo, das sich wirklich von den anderen da draussen abhebt, ist nicht einfach so vorhanden.

Ein Beispiel aus unserer Praxis: Wir haben uns von Adwords schon vor einiger Zeit verabschiedet, weil ein einziger Klick zum Stichwort „Buchhaltung“ schnell mal 3 und auch deutlich mehr Euros kosten kann. Und ein Klick ist erstmal nur ein Besucher, noch lange kein Kunde. Für uns haben Adwords – zum damaligen Zeitpunkt – schlichtweg nicht funktioniert, aber schnell einige hundert Euro im Monat verschlungen. Dabei zeigte sich, dass unsere Kunden unsere besten Markenbotschafter sind. Wer mit Kontolino! zufrieden war, zeigte es Freunden und Kollegen, die ebenfalls auf der Suche nach der passenden Softwarelösung sind. Vielleicht würden sie heute, wo wir schon etwas bekannter sind, besser funktionieren. Vielleicht haben wir auch einfach nur alles falsch gemacht bei der Auswahl passender Keywords und Zielgruppen usw. Vielleicht war unser Produkt zu diesem Zeitpunkt einfach auch tatsächlich noch nicht reif genug. Ich werde das vielleicht niemals wissen und versuche, mir da auch gar nicht zu viele Gedanken zu machen.

So manche Idee ist aber tatsächlich schlecht. Nicht unbedingt per se, aber eben im eigenen Kontext. Nicht jeder, der meint, Dein Produkt müsse so oder so aussehen, hier oder da besonders beworben oder hier platziert werden, weiß wirklich, wovon er redet. All diesen gut gemeinten Ratschlägen hinterher zu laufen und seine Zeit und Energie auf viel zu vielen Baustellen zu vergeuden, kostet sehr viel Kraft und Zeit. Jede falsch investierte Minute oder jeder ins falsche Medium gesteckte Euro fehlt in der Verbesserung des Produkts, im Kundenservice oder auch einfach nur für die kleine Auszeit im Café um die Ecke oder für einen Spaziergang, der Energie und Ideen zurück bringt.

Feedback ist der Stein, um die eigene Idee weiter zu schärfen. Und dazu gehört eben auch negatives Feedback. Mit negativem Feedback umzugehen, kann der schwierigste Teil der ganzen Sache sein. Es wird nicht immer nett und freundlich formuliert, und manchmal fühlt man sich auch völlig zu unrecht heruntergemacht. Dabei hat dieser Mensch nur einfach diesen Button übersehen, die Doku nicht gelesen, völlig falsche Erwartungen gehabt oder ist einfach ein blöder Miesepeter, denn auch die gibt es natürlich.
Und doch muss gerade negatives Feedback analysiert werden: wichtig ist die Frage, warum der falsche Button gedrückt wurde, eine bestimmte Erwartungshaltung bestand. In fast jedem Kommentar der Art: „Das hat nicht funktioniert“ steckt ein Hinweis auf eine mögliche Verbesserung. Wichtig dabei ist, möglichst diesen Kern zu finden, nachzuhaken, was genau passiert ist, warum das so und nicht anders versucht wurde, welches Ziel erreicht werden sollte, und wo der Knackpunkt tatsächlich liegt. Es ist erstaunlich, daß gerade solche Kunden nachher besonders überzeugt sind, wenn sie erkennen, daß ihre Erwartung falsch war oder man sich des Problems schnell und unkompliziert angenommen hat.

Feedback muss eingesammelt, sortiert, wohl bedacht und aussortiert werden. Manche Ideen sind gut, aber passen nicht zu Dir, weil Du es gerade nicht leisten kannst, oder weil eine bestimmte Aktion einen völlig falschen Eindruck von Dir und Deinem Produkt vermitteln würde. Andere sind tatsächlich schlecht. Und wieder andere sind eben nicht ernst gemeinte Höflichkeitsbezeugungen, eben diese „Sieht Chic aus!“-Sprüche, mit denen man um eine ehrliche Antwort herum kommt. Meiner Erfahrung nach ist das Feedback gerade aus dem Freundes- und Familienkreis häufig weder ehrlich noch wertvoll, egal, wie gut es gemeint ist. Dessen sollte man sich stets bewusst sein, wenn man in einer frühen Phase steckt.

 

 

 

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