Blog-Beiträge aus dem September 2015

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um 11:48:02

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Betragsgrenzen zur Bilanzierungspflicht werden zum 1.1.2016 angehoben

Zum 1.1.2016 tritt das Bürokratieentlastungsgesetz in Kraft. Der vollständige Name des Gesetzes lautet „Gesetz zur Entlastung der mittelständischen Wirtschaft von Bürokratie“ und soll demnach vor allem kleinen und mittleren Unternehmen die diversen bürokratischen Hürden erleichtern.

Eine der Regelungen in diesem Gesetz betrifft die Grenzbeträge für die Bilanzierungspflicht, also die Pflicht zur Aufstellung von Anfangs- und Abschlußbilanzen für ein Geschäftsjahr. Für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen, müssen nur noch Betriebe eine Bilanz aufstellen, die nicht aufgrund anderer Rechtsnormen (z.B. HGB) zur Bilanzierung verpflichtet sind  und deren

  • Gewinne im Wirtschaftsjahr eine Summe von 60.000 €
  • Umsätze im Wirtschaftsjahr einen Betrag von 600.000 €

überschreiten. Dabei gilt für Einzelkaufleute auch weiterhin, dass eine Bilanzierungspflicht erst bei Überschreiten der Grenzbeträge in 2 aufeinander folgenden Geschäftsjahren beginnt. Bisher lagen diese Grenzen bei 50.000 bzw. 500.000 Euro.

Das Bürokratieentlastunsgesetz sieht diese Anpassung der Grenzen sowohl für das HGB, als auch für die Abgabenordnung (AO) vor. Das bedeutet, dass sowohl für die Bilanzierung nach HGB als auch für die Steuer einheitliche Grenzen gelten. Es kann also nicht sein, dass ein Unternehmen zwar nach HGB bilanzieren muß, beim Finanzamt aber nur eine Einnahmen-Überschuß-Rechnung abgeben braucht.

Damit diese Erleichterungen auch auf breiter Basis ankommen, sieht der Gesetzgeber die Anwendung der Grenzwerte auch für die Wirtschaftsjahre 2014 und 2015 vor. Das bedeutet, dass die Pflicht zur BIlanzierung auch für all jene Unternehmer nicht eintritt, die in 2014 und 2015 jeweils die 60.000 € Gewinn bzw. 600.000 € Umsatz nicht übertraten.

Beispiel: Ihr Gewinn liegt in 2015 bei 56.000 € bei einem Umsatz von 138.000 €, und auch in 2014 nicht über 60.000/600.000. Nach aktueller Rechtslage müssten Sie ab dem 1.1.2016 bilanzieren. Das Bürokratieentlastungsgesetz schützt Sie jedoch vor einem Einstieg in die Bilanzierung, weil bereits für 2014 und 2015 die neuen Grenzen angewendet werden. Sollte Ihr Finanzamt Sie dennoch dazu auffordern, sollten Sie Einspruch dagegen einlegen und auf das Bürokratieentlastungsgesetz verweisen.

Was genau bedeutet das?

Wenn Sie als Unternehmer oder Selbständiger nicht bilanzierungspflichtig sind, hat das für Sie einige sehr konkrete Auswirkungen:

  • Beim Finanzamt müssen Sie am Jahresende nur die Anlage EÜR zur Einkommensteuer abgeben
  • Sie müssen keine Anfangsbilanz erstellen und auch keine Abschlußbilanz aufstellen
  • Da auch nach HGB keine Bilanzierungspflicht besteht, entfällt die Veröffentlichung einer Bilanz im Bundesanzeiger

Kontolino! unterstützt die automatische Erstellung der Anlage EÜR aus Ihren Buchführungsdaten.Bis zum Jahresabschluß 2015 sogar inklusive Übertragung per ELSTER-Online – Schnittstelle.

Wen betrifft diese Änderung konkret?

Für Gründer, die ihr Unternehmen als Personengesellschaft oder Einzelunternehmen starten,  ist diese Anhebung der Grenzen interessant. Schliesslich müssen Sie nur dann bilanzieren, wenn die genannten Grenzen überschritten werden, und gerade in den ersten Monaten und Jahren sind für viele Gründer 60.000 Euro Gewinn nicht viel mehr als ein schöner Wunschtraum.

Diese Neuregelung ist natürlich vor allem für all jene Unternehmer interessant, die in den letzten Jahren stets an einem der beiden Grenzbeträge herum meanderten, aber diesen nie deutlich überschritten haben. Sie müssen ab 2016 nur noch eine Einnahmen-Überschußrechnung beim Finanzamt abgeben und haben nun etwas mehr Luft nach oben, wenn sich an der Ertragslage nicht entscheidend etwas zum Besseren ändert.

Ändert sich etwas an meiner Buchhaltung?

Grundsätzlich bedeutet der Wegfall der Bilanzierungspflicht die Möglichkeit, auf eine doppelte Buchführung zu verzichten, und auf eine so genannte einfache Buchführung umzusteigen, in der einfach nur Einnahmen und Ausgaben gegenüber gestellt werden.

Bevor Sie jedoch frohlocken, sollten Sie einen Blick auf das Formular Anlage EÜR werfen. Das Finanzamt erwartet sehr differenzierte Angaben über Ihre Ein- und Ausgaben, sodass Sie von Anfang an eine sehr differenzierte Aufstellung über Ihre Ein- und Ausgaben führen müssen.

Der Haken dabei: am Anfang eines Jahres ist das für dieses Jahr gültige Formular noch nicht bekannt. Die endgültige Fassung ist meist erst im November des Jahres verfügbar. Bestimmt der Gesetzgeber, dass bestimmte Einnahmen oder Ausgaben in einem gesonderten Feld anzugeben sind, müssen Sie also am Jahresende diese Umsätze aus Ihrer Buchführung heraussuchen und gesondert aufschreiben und summieren, um die in die Anlage EÜR einzutragen.

Die Anlage EÜR ist in aller Regel eine Untermenge dessen, was in einer ausführlichen Bilanz anzugeben ist, sodass in den üblichen Kontenrahmen einer doppelten Buchführung alle Konten verfügbar sind, die auch für die Anlage EÜR benötigt werden.

Da Kontolino! Ihnen die Buchung von Geschäftsfällen mit Hilfe des Buchungsassistenten so einfach macht, können Sie aber auch, wenn Sie nicht bilanzierungspflichtig sind, eine doppelte Buchführung unterhalten, ohne es zu merken. Der Vorteil liegt auf der Hand: egal, ob Sie am Jahresende eine Bilanz oder eine Anlage EÜR abgeben müssen, die Buchhaltung läuft immer gleich.

 

 

 

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um 02:29:20

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Warum Kontolino! kein GoBD-Zertifikat hat

Die neuen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung sind nun seit knapp 9 Monaten in Kraft und sorgen für mehr Klarheit in Fragen der Archivierung elektronischer Belege sowie im korrekten Umgang mit eingescannten Papierbelegen.

Am Markt für Buchhaltungssoftware wurde dies natürlich zum Thema. Kunden und Interessenten fragten nicht nur bei uns nach, ob unser Produkt denn nun auch GoBD-konform sei. Nicht wenige Anbieter kamen gar auf die mehr oder weniger glorreiche Idee, ihr Produkt offensiv mit einer GoBD-konformität zu bewerben, am besten mit einem Zertifikat. Kunden lieben diese kleinen Logos ganz offensichtlich: wenn’s da draufsteht, ist wohl alles gut. Das gilt im Kaffeeregal genauso wie bei der Software-Auswahl.

Nun hat der Gesetzgeber sich jedoch in weiser Voraussicht dazu entschlossen, einem Ablasshandel in der Buchhalterei einen Riegel vorzuschieben. In den GoBD steht ausdrücklich, dass es keine Zertifizierung gibt, und der Fiskus ein evtl. Zertifikat explizit nicht anerkennt:

[181] „Zertifikate“ oder „Testate“ Dritter können bei der Auswahl eines Softwareproduktes dem Unternehmen als Entscheidungskriterium dienen, entfalten jedoch aus den in Rz. 179 genannten Gründen gegenüber der Finanzbehörde keine Bindungswirkung.

Man kann also ein Zertifikat für sein Produkt ausstellen lassen, dem Nutzer bietet dies jedoch keinerlei Schutz gegenüber dem Finanzamt, wenn die Buchhaltung eben nicht ordnungsgemäss ist.

Schließlich kommt es bei der ordentlichen Führung von Büchern nicht nur auf die Software an, sondern vor allem darauf, wie Belege gesammelt und aufgezeichnet werden. Geschäftsfälle müssen nachvollziehbar dokumentiert werden, und die Korrektheit von Belegen muss glaubhaft darlegbar sein. Das geht mit oder ohne Computer, und selbst mit der besten Software kann man das falsch machen.

Ob Sie als Buchhalter oder Unternehmer also richtig arbeiten, hat nur am Rande mit der Software zu tun, die Sie einsetzen. Software kann Ihnen Funktionen bieten, die es ermöglichen und erleichtern, die GoBD einzuhalten, und wenn sie dies nicht tut, können Sie mit Hilfe anderer Produkte und Hilfsmittel die entsprechende GoBD-konforme Arbeitsweise trotzdem erreichen.

Ulrich Kampffmeier formuliert auf seinem Blog sehr treffend den Aussagewert eines Zertifikats:

[Ein] Zertifikat sagt nur aus, dass bei entsprechendem Einsatz der Software, korrekten Daten und Prozessen, richtiger Nutzung und sicherem Betrieb, die Software die Vorgaben der GoBD erfüllen KANN

Die Betonung liegt eben auf dem KANN. Man kann mit einem Buchhaltungsprogramm GoBD-konform arbeiten, aber das Programm macht die Buchhaltung nicht automatisch GoBD-konform.

Nun mag die Konkurrenz die Kosten und Mühen nicht scheuen, einen Wirtschaftsprüfer oder eine Steuerberatung zu beauftragen, um ein Testat zu erstellen und einen Designer mit dem Entwurf eines hübschen runden Piktogramms zu beauftragen. Letztendlich ist das aber einfach nur hübscher Zierrat, wie eben auch die vielen bunten Logos auf Ihrer Müslipackung im Supermarkt. Ähnlich wie ein Eiweiß-Shake bei gesunder Ernährung und ergänzendem Sport beim Abnehmen hilft, unterstützt eine Software Sie beim Einhalten der GoBD, wenn Sie sich an die (recht einfach umzusetzenden) Regeln der GoBD halten. Nicht mehr und nicht weniger, egal wie bunt das zugehörige GoBD-Konformitätssiegel ist.

Wir haben uns gegen ein teures Zertifikat entschieden und konzentrieren uns auf die Funktionalitäten, die wirklich sinnvoll bei der Führung Ihrer Buchhaltung sind, und versuchen, Ihnen die Arbeitsschritte, die zur Einhaltung der GoBD notwendig sind, möglichst einfach und intuitiv zu machen. Wir glauben, darauf kommt es an.

Mehr Informationen dazu, wie Kontolino! Sie bei der Einhaltung der GoBD unterstützt, finden Sie in folgenden Beiträgen: